Simon Heller aus Schwabenheim hat eigenes Motorsport-Rennteam gegründet / Talentförderung als Ziel

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27.03.2012 - SCHWABENHEIM

Von Beate Schwenk

Schon als kleiner Knirps war Simon Heller von Autos fasziniert. Angefangen habe alles wie bei vielen Jungs, die sich für Motorsport begeistern: „Mit klassischem Modellbau.“ Im Alter von zwölf Jahren habe Simon dann beschlossen, er müsse einen Mustang haben, erinnert sich die Mutter. Jahrelang habe der Filius eisern dafür gespart. Während seiner Lehre zum Kfz-Mechaniker war es schließlich soweit, und er konnte sich seinen Traum erfüllen. Doch damit nicht genug. Das Fahrzeug war zwar gut in Schuss, doch Simon hatte Sonderwünsche, die er selbst realisieren wollte. Es folgte das erste größere Projekt: Der Ford Mustang wurde in Eigenarbeit „optimiert“. Zunächst sei er nur auf der Straße gefahren, berichtet der 31-Jährige. „Dann aber kam der sportliche Gedanke dazu.“ Er knüpfte Kontakte zum Nürburgring und drehte dort auf der Nordschleife die ersten Runden. Später baute der Tüftler sein erstes eigenes Rennauto auf und nahm auch selbst an Wettbewerben teil.

 

Arbeit mit Nachwuchs macht ihm viel Spaß

Bei der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring half er anderen Teams als Schrauber aus und betreute zuletzt sogar einen größeren Rennstall. Obendrein nahm der Schwabenheimer im vergangenen Jahr ein „Juniorauto“ mit Nachwuchsfahrern unter seine Fittiche.

Die Arbeit mit den 18- bis 25-Jährigen hat ihm so viel Spaß gemacht, dass daraus eine Projektidee entstanden ist. Simon Heller beschloss, mit einer ungewöhnlichen Initiative Nachwuchsförderung zu betreiben. Das heißt, er will talentierten Jungs die Möglichkeit geben, auf dem Nürburgring Langstreckenrennen zu fahren. Zu diesem Zweck hat er eigens einen Cup-Porsche 911 GT angeschafft und in mühevoller Kleinarbeit umgerüstet. Das alles geschah in der eigenen Werkstatt in Schwabenheim, die gerade im Aufbau ist. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Claus-Stephan Heinick hat sich Heller manche Nacht um die Ohren geschlagen, um den Porsche fit für die Rennstrecke zu machen. 80 bis 90 Stunden Arbeit, schätzt er, habe er in das Projekt investiert.

Die Talente, denen Heller auf dem Nürburgring eine Chance geben will, werden sehr genau ausgewählt. „Sie kommen alle aus der ehemaligen Nürburgringakademie“, erklärt der Schwabenheimer. Es sind also keine Anfänger, die er ans Steuer seines erlesenen Rennautos lässt.

Sponsoren werden gesucht

Für den Motorsport brauche man nämlich nicht nur Fahrtalent, sagt Heller, sondern auch viel technisches Verständnis, Erfahrung und körperliche Fitness. Schließlich bringt der Porsche in der Spitze bis zu 291 Stundenkilometer auf die Strecke.

Pünktlich zum Beginn der neuen Motorsportsaison steht der Flitzer nun also für den Rennbetrieb bereit. Und auch das Team steht in den Startlöchern. Was noch fehlt, ist das nötige Kleingeld, um die Rennteilnahme zu finanzieren. Im Gegensatz zu anderen Teams, bei denen sich die Fahrer mit hohen Beträgen einkaufen müssen, will Heller mit seinem SH-Motorsport-Team andere Wege gehen. Die Kosten für Startgebühren, Versicherungen, Helfer, Ersatzteile und ähnliches sollen komplett über Sponsoren finanziert werden. Dadurch, so die Idee, können auch junge Talente, denen die nötigen Mittel fehlen, Rennsportluft schnuppern. „Eine komplette Saison mit Test- und Trainingsfahrten kostet etwa 300 000 Euro“, sagt der Teamchef. Eine stolze Summe, doch er hat fest vor, schon bald mit einem Nachwuchsteam um die Langstreckenmeisterschaft mitzufahren. Allerdings müssen er und seine Mitstreiter dafür noch kräftig die Werbetrommel rühren.